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Zur Person

Kurzbiografie

Persönliche Angaben:
Geboren am 15. Oktober 1979 in Karlsruhe; verheiratet, zwei Kinder.

Ausbildung, Berufslaufbahn, berufliche Funktionen:
Abitur am Eichendorff-Gymnasium Ettlingen. Studium der Rechtswissenschaft in Freiburg und Grenoble (Frankreich). Referendariat in Offenburg. Seit 2008 bei der Allianz in einem Nachwuchsführungskräfte- Programm (Allianz Management Programm); letzte Funktion: Gruppenleiterin in Stuttgart.

Politische Funktionen:

1997 bis 1999 Mitglied des Jugendgemeinderats in Ettlingen. Mitglied des Landtags von Baden-Württemberg seit 16. März 2013. Seit 2013 Beisitzerin im SPD-Kreisvorstand Karlsruhe Land.

Sonstige Funktionen und Mitgliedschaften:
Mitglied des Stiftungsrats der Stiftung „Familie in Not“. Mitglied bei Amnesty International. Fördermitglied der Malteser und der Johanniter.Mitglied des Frauenbeirats Ettlingen.

Angaben nach Teil I der Offenlegungsregeln:
Gruppenleiterin bei der Allianz Deutschland AG (ruhendes Arbeitsverhältnis ohne Bezüge).

 

 

Anneke Graner im Interview

Die Abgeordnete gibt Auskunft

Seit wann interessieren Sie sich für Politik?
Ich komme aus einer politisch interessierten und engagierten Familie, da hat das Thema Politik schon immer eine Rolle gespielt. Mein eigenes Engagement begann sich zu formen, als ich mit 16 Jahren Mitglied des ersten Ettlinger Jugendgemeinderats wurde. Diese Zeit hat mich geprägt.

Was bewog Sie dazu, sich auf Landesebene politisch zu engagieren?
Mein Landtagsmandat erhielt ich als Zweitkandidation von Frank Mentrup, als dieser in Karlsruhe zum Oberbürgermeister gewählt wurde. Ehrlich - ich hatte nicht im Traum daran gedacht, dass ich wirklich einmal Landtagsabgeordnete werden würde, als ich im Februar 2010 Frank Mentrups Zweitkandidatin wurde. Aber es war eine ernsthafte Entscheidung und so zögerte ich keine Sekunde, als Frank Mentrup mich dann fragte, ob ich sein Mandat denn tatsächlich übernehmen würde.

Was überraschte Sie als frisch gebackene Landtagsabgeordnete?
Mich hat am Anfang bei den Plenardebatten im Landtag der zum Teil schrille Ton der Diskussionen überrascht. Und dann sehen sich die politischen Gegner ein paar Minuten später auf dem Gang und reden miteinander, als wäre nichts gewesen. Auf den zweiten Blick empfinde ich es aber als wohltuend, dass zwischen der beruflichen und persönlichen Ebene unterschieden wird. Gut- manche Attacken sind persönlich und für mich deshalb inakzeptabel. Wir sollten uns immer noch darüber im Klaren sein, dass es in der Politik um einen Wettstreit der besseren Ideen und bestenfalls Visionen geht. Nicht mehr aber auch nicht weniger.

Was empfanden Sie als größte Herausforderung?
Den täglichen Spagat als berufstätige Mutter empfinde ich als große – pyhsische wie mentale - Herausforderung. Ich habe eine verantwortungsvolle Arbeit, die mir große Freude bereitet. Aber Priorität hat immer meine Familie. Ich denke, ich wäre eine unglaubwürdige familienpolitische Sprecherin meiner Fraktion, wenn es anders wäre. Ich habe hohe Ansprüche an mich selbst, musste aber lernen, dass man bei dieser Doppelbelastung den Alltag auch mal improvisieren können muss.

Was raten Sie jungen Frauen, die ein politisches Mandat anstreben?
Sucht den Kontakt zu Frauen, die bereits ein Mandat innehaben. Von außen betrachtet, wirkt die Arbeit eines Abgeordneten sehr abstrakt, gar familienfeindlich. Spricht man mit Mandatsträgerinnen, wird alles konkreter und auch machbarer. Manchmal spielt da natürlich auch der Zufall eine Rolle, wie bei mir. Aber wenn ich einen solchen Weg plane, dann brauche ich auch gute WeggefährtInnen. Denn Phasen des Zweifelns und Zauderns gibt es bei Frauen vielleicht häufiger als bei Männern und da ist es wichtig, die richtigen und motivierenden Menschen um sich zu haben.

Wie kann man den Frauenanteil im Landesparlament erhöhen?
Eins vorweg: es ist ein Skandal, dass Baden-Württemberg die mit Abstand roteste Laterne trägt bei diesem Thema. Das sollte allen peinlich sein, den männlichen wie den weiblichen Abgeordneten. Und es ist nicht so, dass es in Baden-Württemberg weniger potentielle Kandidatinnen gibt als in Bayern, wo der Frauenanteil im Landesparlament rund 10%-Punkte höher liegt. Wir sind an der Stelle schlicht rückständig.

Aber zur Beantwortung der Frage: Der effektivste Weg wäre sicherlich ein Listenwahlrecht, entweder mit einer oder mit zwei Stimmen. Die Parteien können (verfassungsrechtlich halte ich es für bedenklich, wenn sie gesetzlich müssten)  dann die Listen nach dem Reißverschluss-System abwechselnd mit einer Frau und einem Mann besetzen. Ich finde das bayerische Modell nicht schlecht, bei dem es Regionallisten gibt. Eine einzige Landesliste entrückt die Basis zu sehr von den Entscheidungsgremien der Liste, bei Regionallisten - z.B. auf Ebene der Regierungspräsidien - bleibt der regionale Bezug besser bestehen.

Eine Änderung des Landtagswahlrechts ist im Moment aber nicht in Sicht – leider. Insofern muss man nach Alternativen suchen. Wichtig wäre es, für frei werdende Wahlkreise, in denen der oder die bisherige Abgeordnete nicht mehr antritt, geeignete Kandidatinnen zu finden. Da kann es von Parteienseite durchaus einen landesweiten Suchlauf geben.

Welche Voraussetzungen sollten Frauen, die sich in Parlamenten engagieren wollen, mitbringen?
Ein dickes Fell braucht jede Politikerin und jeder Politiker. Und ein gewisses rhetorisches Geschick wäre vorteilhaft, auch wenn man bei Angela Merkel sieht, dass man es nicht unbedingt benötigt, um weit zu kommen. Standfestigkeit, Kritikfähigkeit, gute Ideen und dann noch konsequentes Verfolgen dieser Ideen – ich glaube, das ist keine schlechte Mischung.

Was ist Ihr wichtigstes Ziel in Ihrer ersten Legislaturperiode?
Als familienpolitische Sprecherin ist mir das Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf wichtig. Wir als PolitikerInnen haben da aber auch eine gewisse Vorbildfunktion, die wir in diesem Bereich jedoch bisher keineswegs ausüben. Ich freue mich, dass auf meine Initiative hin es bald eine bundesweit einmalige Regelung zum Mutterschutz und zur Kinderbetreuungszeit für baden-württembergische Abgeordnete geben wird. Das macht das Mandat hoffentlich für junge Nachwuchspolitikerinnen attraktiver.

Zur Familie gehört aber nicht nur Vater, Mutter, Kind oder Vater, Vater, Kind oder Mutter, Mutter, Kind. Nein, dazu gehören auch die Großeltern. Und dann bin ich mitten drin im Thema Vereinbarkeit von Beruf und Pflege, mithin im großen Oberthema Pflege. Ich will als Mitglied der Enquête-Kommission Pflege mitwirken, dass wir am Ende unserer Kommissionsarbeit konkrete Handlungsempfehlungen für die Pflege in Baden-Württemberg herausarbeiten. Und zwar am besten fraktionsübergreifend.

 

 

 

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